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Artikel-Schlagworte: „Feminismus“

Der Unsinn mit der weiblichen Pädagogik – Jungs von heute – verweichlicht und verweiblicht

frauen-paedagogikKleine Männer wollen laut sein, raufen, sich beweisen und trotzdem geliebt werden. Doch dafür ist in der pädagogisch korrekten Frauenwelt von heute kaum noch Platz. Jungs werden mehr und mehr mit weiblichem Verständnis in Watte gepackt, harmonisiert und verweichlicht. Warum eigentlich?

Die Welt ist für Jungen zu eng geworden. Viel zu normiert. Und langweilig. Was ihnen Spaß macht, ist meistens verboten. Was sie besonders gut können, wird nirgends verlangt – im Kindergarten nicht und in der Schule auch nicht. In der pädagogischen Welt hat sich scheinbar alles verschworen, ihnen ihre „männlichen“ Eigenschaften abzugewöhnen. Jungen werden unruhig dabei, fahrig und eine immer größere Zahl sogar seelisch krank, hyperaktiv oder depressiv.

Johannes beispielsweise. Er ist drei Jahre alt und seelisch eigentlich ganz einfach gestrickt. Er hat zwei große Wünsche: Behütet sein, am liebsten bei Mama. Und die Welt zu erobern, zu bauen und Dinge wieder kaputt zu machen, am liebsten mit seinen Freunden. Bei solchen Spielen hat er auch immer seinen großen Papa im Kopf.

Der Wunsch, ein kleiner Held zu sein Wenn der kleine Johannes seinen Kindergarten betritt, dann müsste eigentlich, so denkt er, die ganze Welt erzittern vor Freude darüber, dass er da ist. Und wenn es nicht die ganze Welt ist, so doch wenigstens der Gruppenraum in seinem Kindergarten. Eigentlich müsste das ein Riesenwirbel sein, wenn er kommt.

Aber in vielen Kindergärten ist es nicht so. Ihn erwartet nur ein fast gleichgültiges „Hi“, und Mama flüstert ihm noch eifrig zu, dass heute wieder dies oder jenes gelernt werde. Englisch zum Beispiel, spielerisch natürlich, aber er solle sich trotzdem anstrengen. „Buchstaben malen“, sagt sie, „macht auch viel Spaß, und der kleine Daniel ist schon beim U, du bist erst bei D, dabei ist Daniel doch drei Monate jünger und viel kleiner.“

Johannes möchte, dass Mama stolz auf ihn ist. Er möchte aber wie ein kleiner Held seine Kindergartenwelt erobern und nicht lieb und ordentlich Buchstaben aufs Papier zeichnen. Überhaupt hat Johannes das Gefühl, dass er gar nicht richtig zur Kenntnis genommen wird. Er muss sich jetzt erst einmal kräftig durchsetzen. Das tut er auch. Er stellt sich mitten in den Gruppenraum und schreit laut: etwas, was er in den Trickfilmen gehört hat, die er schon kennt, oder seinen eigenen Namen, damit die Welt endlich erschüttert ist über seine kleine Existenz. Für ein paar Momente hat er das Gefühl, dass er jetzt endlich anständig gewürdigt worden ist. Und dieser Urlaut, ganz tief aus der Brust, klingt jedenfalls schon einmal gewaltig. Johannes fühlt sich für wenige Augenblicke sehr stark. Fast so stark wie Papa (und was der alles kann, unglaublich, das Lego-Flugzeug gestern Abend zum Beispiel). Fußballspielen wäre schon mal was

Aber dieses gute Gefühl hält nicht an, da nähert sich schon eine liebe weibliche Erzieherin, legt ihm ganz weich die Hand auf die Schulter und sagt: „Du, Johannes, wir hatten uns doch geeinigt, dass wir heute einmal ganz ruhig sein wollen.“ Am liebsten würde Johannes sofort wegrennen, über alle Tische und Bänke hinweg, hinaus in den Hof. Oder wenigstens raus aus der gemäßigten Stille im Gruppenraum, wo schon wieder gebastelt und gemalt wird, meist Buchstaben. Weiter als bis zum D kommt er ohnehin nie, er weiß das ganz genau. Fußballspielen, das wäre schon einmal was. Mit zwei oder drei kleinen Kumpeln rennt auf den Hof.

Die Erzieherinnen schauen leicht hilflos hinterher und lächeln sich an. Sie kommen eben nie zur Ruhe, diese Jungs. Immer Lärm, immer Krach. Und nicht einmal ein bisschen Konzentration und Kreativität. Wahrscheinlich haben sie wieder alle viel zu viel ferngesehen. Sie nicken sich zu und glauben Bescheid zu wissen.

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Draußen kracht eine Fensterscheibe. Jetzt ist sie kaputt. Das kann bei einem Fußballspiel auf einem viel zu kleinen, beengten Hof schon einmal vorkommen, die Welt geht davon auch nicht unter, denken Johannes und seine Kumpel – und dreschen den Ball gleich noch einmal gegen dieselbe Hauswand. Sie fühlen sich kräftig und mutig. Mit einem ordentlichen Fußballspielen können kleine Jungen nämlich nicht nur die viel gepriesene „soziale Kompetenz“ erwerben, sondern auch ihre Ängste bezwingen, die jeden Morgen beim Abschied von der Mutter noch da sind.

Aber die Erzieherinnen sehen das ganz anders: „Kaputte Gegenstände, überhaupt dieser unsensible Umgang mit der feinen Eigenart der Dinge – das ist typisch Junge“, seufzen sie und rufen den Morgenkreis zusammen. Hier werden noch einmal Prinzipien festgehalten: keine Gewalt, auch nicht gegen Sachen, keine kaputten Fensterscheiben und nicht immer dieses Geschrei. Dem kleinen Johannes kommt es vor, als sei seine Welt wie vernagelt. Überall Verbote und Ermahnungen, meist ganz sanft und weich.

Früher hatte der Kindergarten einen Hausmeister, der schrie, wenn etwas kaputt ging. Kindern wie Johannes hat das besser gefallen, obwohl sie natürlich auch vor der lauten Männerstimme Angst hatten.

Irgendwas zwischen Rangeln und Hauen Jetzt müssen sie keine Angst haben, sie sind wie in Watte gepackt mit lauter weichem weiblichen Verständnis, freundlichen Anleitungen, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Kreativität und soziale Kompetenz. Wenn ein Kind einen Panzer mit in den Kindergarten bringt, hören sie von der Erzieherin, dass Gewalt keine Lösung sei.

Das Gleiche sagen Erzieherinnen, wenn die Kleinen ihre Kämpfe austragen, irgendwas zwischen Rangeln und Hauen. Einmal ist es ernst, ein andermal wieder nicht. Aber die Erzieherinnen können das nicht auseinanderhalten. Für sie ist alles Gewalt.

Johannes und seine Freunde müssen untereinander ausmachen, wer der Stärkste ist, wer das Sagen hat. Aber das sollen inzwischen nicht mehr ihre Raufereien bestimmen, sondern die Erzieherinnen. „Morgen bist du der Bestimmer“, sagen sie beschwichtigend zu dem kleinen Johannes, „heute ein anderer.“

Der Bestimmer sein Johannes mag das nicht. Dem anderen würde er es gern einmal richtig zeigen, dann wäre es vorbei mit der Bestimmerei. Vertragen kann man sich ja trotzdem wieder. Überhaupt könnte man, meint Johannes, von einer Stunde zur anderen entscheiden, wer der Bestimmer ist.

Zwischendurch müsse man sich nur einmal raufen, kriegt eine kleine Faust an den Kopf, weint. Aber dann wüsste man, dass man heute kein Bestimmer mehr werden kann. Morgen ist ein neuer Tag. Aber so ist das alles nicht, für Johannes nicht und für seine Freunde auch nicht. Sie sitzen im Kreis und summen ein Lied und schneiden dabei Buchstaben aus, ganz vorsichtig, mit Kinderscheren. Nachher gehen sie noch in den nahen Park, aber geordnet, am liebsten wäre es den Erzieherinnen, sie hielten sich alle an den Händen, in Zweierreihen. Die Mädchen machen das doch auch, warum ihr nicht?

Johannes darf die männlichen Anteile seiner Psyche und seines Körpers nicht ausleben. Er lernt sie gar nicht richtig kennen. Er fühlt sich eingeengt und gelangweilt. Daraus wird oft Angst. Keine richtige Angst, sondern so eine maulige Ängstlichkeit. Dann will er überhaupt nicht mehr mitmachen, bei gar nichts. Und hinterher wird Mama wieder sagen: „Du bist ja immer noch beim D, Daniel zeichnet jetzt schon das V, hast du gesehen?“ Mama weiß nicht, dass Daniel und sein V Johannes gleichgültig sind. Mama lebt auch in einer anderen Welt. Johannes weiß auch nicht ganz genau, was ihn manchmal so bedrückt. Dann würde er am liebsten um sich schlagen. Aber das darf er ja nicht. Weibliche pädagogische Welt

Johannes ist wie alle dreijährigen Jungen gespannt auf die Welt, aber diese weibliche pädagogische Welt versteht den kleinen Johannes nicht, und deshalb versteht Johannes sich selber auch immer weniger.

Wenn ich selbst als Zehnjähriger wieder einmal mit einer Fünf in Mathematik nach Hause kam, dann schleuderte ich die Schultasche in die Ecke und verschwand mit meinen Freunden im Wald. Dort gab es eine uralte zugewachsene Steinkuhle, in der wir unsere traditionsreichen Feinde trafen. In wilden territorialen Kämpfen sind wir aufeinander losgegangen, mit Stöcken und selbst geschnitzten Schwertern, und haben aufeinander eingedroschen, dass moderne Kinderärzte kopfschüttelnd „vielleicht doch eine ADS“ gemurmelt hätten.

Auf dem Sportplatz mitten im Wald holte ich wie mein großes Vorbild Hans Tilkowski, damals Nationaltorwart, den Ball aus der Ecke. Meine Tagträume, meine Fantasien und mein Gefühl für alles, was Körper und Psyche vermögen, lernte ich dort, ohne den ermahnenden kontrollierenden Blick von Erwachsenen. Abends, wenn wir hungrig und satt von Abenteuern ins Dorf zurückliefen, fiel mir auch meine Fünf in Mathe wieder ein. Aber inzwischen hatte ich so viel erlebt und so viele andere, klare und bestätigende Gefühle und Schrammen in Körper und Seele angesammelt, dass mir die Fünf zwar immer noch Angst machte, aber doch nicht nur Angst. Die Fünf war ein Teil meines Lebens, aber nicht der wichtigste. Bei Weitem nicht.

Nicht laut sein, nicht raufen Das ist alles anders geworden. Zum einen sind die kleinen Jungen wie eingezwängt in die Harmonieseligkeit, die pädagogisch korrekt, vermeintlich motivierend daherkommt, aber Leistung fast noch höher bewertet, als nicht laut zu sein, nicht zu raufen, keine Fensterscheiben einzuschlagen. Dazu kommt das Vergleichen. Die Mütter haben besorgte Gesichter, überlegen, ob das andere Kind weiter sein könnte als das eigene. Die Erzieherinnen möchten auch, dass ihre Gruppe im Vergleich zu den anderen nicht schlechter abschneidet. Das ist ein doppelter Zwang: einer von außen und einer von innen. Die kleinen Jungen strengen sich enorm an. Sie raufen nicht oder nur, wenn keiner hinguckt (aber irgendeine pädagogische Fachkraft schaut immer??), und sie erarbeiten sich spielerisch und kreativ das Abc. Nur ihr Gefühl, dass die Welt eigentlich erbeben müsste, vor Freude darüber, dass sie da sind, das will sich nicht richtig einstellen.

Weibliche Pädagogik und Leistungsdenken, das ist eine schwer erträgliche Mischung für Jungen. Dass sie verwöhnt sind, macht es nicht besser. Die Mutter will alles richtig machen, möglichst in Absprache mit den Erzieherinnen, später den Grundschullehrerinnen. Zu Hause sind Mutter und Sohn auch ununterbrochen zusammen.

Kein Muttersöhnchen sein Jungen möchte natürlich auch Muttersöhnchen sein. Aber eben nicht nur. Manchmal möchte er das ganze verständnisvolle Liebhaben auch einmal wegschubsen. Dann ist Mama traurig. Da ist der Kleine schon wieder seelisch in der Klemme. Er will nicht, dass Mama traurig ist, aber er will auch schubsen und stoßen, schlagen und raufen. Und mit seinen Händen etwas bauen. Ein Vogelhäuschen zum Beispiel, wie die drei Jungen aus der ersten Klasse in der Grundschule.

Die Lehrerin hatte einen Tischler dazu eingeladen, er war alt, hatte freundliche Augen und eine brummige Stimme. Eigentlich gab er ununterbrochen Befehle wie „Der Nagel gehört hierhin, du musst aufpassen, Junge“. Die Lehrerinnen schüttelten heimlich den Kopf, aber die drei Jungen schwitzten vor Eifer und waren stolz. Kleine und größere Jungen sind Handmenschen. Sie wollen die Dinge fühlen, kneten und biegen, sie wollen aus ihnen etwas entstehen lassen. Sie wollen, grob gesagt, die Welt fortwährend verändern und sich nicht dauernd still anpassen. Das Vogelhäuschen war für die drei Jungen ein seltener Höhepunkt ihrer Grundschulzeit. Eigentlich der einzige. Danach gab es nur Zuhören, Lesen und Rechnen.

Die Jungen wurden immer unruhiger, manche waren nicht so schüchtern und ängstlich wie andere, die gingen dann über Tische und Bänke, schmissen einen Stuhl um, rissen mitten im Unterricht ein Fenster auf und ließen es wieder zuschlagen. „Die Jungen sind ein Problem“, sagen die Lehrerinnen. Die ganze pädagogische Öffentlichkeit scheint sich darüber einig zu sein. Dabei sind die Jungen nur Jungen und dürfen es nicht sein. Das ist alles.

Der Autor ist Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut. Er verfasst Bücher wie „Warum unsere Kinder ein Glück sind. So gelingt Erziehung heute“ (Beltz) oder „Ich bin der Größte und ganz allein. Der neue Narzissmus unserer Kinder“ (Patmos).

Von Wolfgang Bergmann

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Die Angst der Männer vor dem weiblichen Planeten

die-angst-der-maennerIn den letzten Jahrzehnten sind traditionell männliche Eigenschaften in Verruf geraten. Und zwar nicht allein unter Frauen, sondern auch unter Männern. Nun wächst die Sehnsucht nach dem “echten Mann”, meint Joachim Bessing. Er fragt sich, was passieren wird, wenn die Männer endgültig besiegt sind.

Der Schweizer Kreativdirektor Beda Achermann feierte unlängst seinen 55. Geburtstag nach ganz eigener Tradition: Wie in jedem Jahr hatte er seine besten Freunde, so um die vierzig Männer, in das Hinterzimmer eines extrem guten, extrem teuren spanischen Restaurants in Zürich eingeladen. Wie in jedem Jahr begann die Feier kurz nach Mittag und endete abends um sechs. Wie immer kamen sie alle, die meisten sehen sich mittlerweile nur noch einmal im Jahr, aber verlässlich und immer bei dieser Gelegenheit.

Natürlich zählt dieser Mann, Gründer der deutschen „Männer Vogue“ und insgesamt recht legendär, hauptsächlich interessante Typen zu seinem Kreis: Kunstbuchverleger Dino Simonett, Designer Alfredo Haeberli, Theaterintendant Matthias Hartmann, Modeillustrator François Berthoud, Tausendsassa Alexis Saile, Art Director Patrick Roppel, Journalist Christian Kämmerling, Architekten, Kunstanwälte, Rahmenbauer und so fort.

Einmal abgesehen davon, dass es sich also mitnichten um eine Versammlung von Dumpfbacken handelte – mal ehrlich: Finden Sie vierzig Männer unter sich, ohne Frauen vor allem (selbst Wirt und Kellner waren vom selben Geschlecht), ergeben ein schönes Bild?

Vor zwanzig Jahren noch wäre zumindest der Vorwurf des Chauvinismus angebracht gewesen. Damals gab es aus den Reihen der Feministinnen noch harte Ansagen à la „Ein Mann allein ist eine Gefahr, zwei sind eine kriminelle Vereinigung.“ Inzwischen ist man schon weiter, von der Verteufelung zum Hohn: Diese 40 Männer feiern in Zürich doch eher eine Art Kindergeburtstag, nicht wahr? Allesamt hart an der Midlife-Crisis, große Jungs, die nicht erwachsen werden wollen und sich für einen Nachmittag lang ein Reservat erkaufen; eine Schonzeit von der gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der sie die Vormachtstellung nach und nach werden aufgeben müssen. Frauen dabei – alles im Lot José Ortega y Gasset benennt in seinen „Meditationen über die Liebe“ den historischen Moment, an dem in Europa die Frauen erstmalig und andauernd an der Gesellschaft teilnehmen durften: Das war im frühen 12. Jahrhundert am Hof des Papstes in Avignon. Erst dort wurde aus einem Haufen eheloser Männer durch die Einladung dieser sogenannten „Courtisanen“ (vom französischen court für Hof) eine höfische Gesellschaft. In der es dann bei den Gelagen auch höflicher zuging als in den als barbarisch berüchtigten Zeiten davor. Der spanische Philosoph schreibt es diesen Frauen zu, dass sie den maßlosen Männern durch ihre bloße Anwesenheit zu feineren Sitten verhelfen konnten; gleichfalls bemerkt er, dass dort in Avignon sich erstmalig ein origineller Frauentypus herausbilden konnte. So entfernt dieser Vorgang auch scheinen mag, auf unser Empfinden über die richtige Zusammensetzung einer Gesellschaft wirkt er sich noch immer aus: nur Männer – Barbarei. Frauen dabei – alles im Lot.

Erstaunlich, dass es in Zürich zu keinen Ausschreitungen gekommen war. Da sich dort Männer des 21. Jahrhunderts – und nicht des zwölften – versammelt hatten, ging es ausgesprochen friedlich zu. Keiner stand unter Druck und musste Dampf ablassen, niemand hielt es für nötig zu imponieren oder einen anderen auszustechen. Die Gespräche unter diesen Männern aus verschiedenen Generationen – der jüngste 20, der Senior weit über 70 – ergaben sich vorbehaltlos und aus wirklichem Interesse heraus. Es wurde eine Menge Fleisch und Schinken gegessen, es wurden Weine getrunken und später Kaffee; Lieder wurden gesungen, Gedichte aufgesagt, es wurde sogar getanzt. Und nachdem die Tafel aufgelöst war, ging es nicht in den Sauna- oder Swingerclub, sondern – nach Hause. Wo fallweise Familie, die Freundinnen, Freunde, zumindest aber die Betten warteten.

Das klingt nicht nur harmlos, sondern geradezu zahm – gezähmt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte sind traditionell männliche Eigenschaften in Verruf geraten. Und zwar nicht allein unter Frauen, sondern letztendlich auch unter Männern. Man gibt sich verständnisvoll, den weiblichen Interessen aufgeschlossen und auch hilfsbereit, nur um dann bei Kolumnistinnen und in Frauenzeitschriften lesen zu müssen, dass die Sehnsucht nach „echten Männern“ angesichts zu vieler „Metrosexueller“, Frauenversteher und Modefuzzis als beherrschend empfunden wird. Häufig wird dann für den Schauspieler George Clooney plädiert, von dem man, außer dass er häufig „zu haben“ ist, sonst nicht viel weiß – machen ihn allein das silberne Haar und seine energischen Kiefer zum echten Mann? Und was ist mit seinem Zahntick? Neulich erst ließ Clooney sich sein Zahnfleisch mit dem Laserstrahl stutzen. Ist das markig oder geckenhaft?

“Save the Males” Es sind Fantasiefiguren wie Clooney die, perfiderweise als „echte Männer“ bezeichnet, heute an die feministische Tafel geholt werden, um dort das genaue Gegenteil dessen zu bewirken, was die Kurtisanen dem Hof zu Avignon brachten. Die Gesellschaft eheloser Frauen besorgt sich eine Dosis Barbarei. Aber bitte mit Elektroauto und gebleichtem Lächeln (vom Zahnfleisch ganz zu schweigen).

Längst nicht alle Frauen sehen die Bezähmung und Verdrängung des ewig Männlichen als Zukunftsperspektive und Weg in eine bessere Gesellschaft. In Anlehnung an den Greenpeace-Spruch für den Artenschutz der Wale heißt die Streitschrift gegen ein Verschwinden der Männlichkeit „Save the Males“. Geschrieben von Kathleen Parker, einer viel gelesenen Kolumnistin der Vereinigten Staaten. Im Einklang mit dem Wortspiel des Titels belegt die Autorin, dass bereits an den Schulen die männlichen Eigenschaften vorwiegend negativ, die weiblichen hingegen als durchwegs positiv ausgelegt werden: So kreidet sie es amerikanischen Lehrern an, dass das weitverbreitete Tragen jungsfeindlicher T-Shirts (beispielsweise mit der Aufschrift „Boys are stupid – throw Rocks at them“) bei Mädchen nicht getadelt wird – wehe aber, es wagte ein Junge dasselbe in Grün. Aber es ist eben nicht dasselbe in Grün, auch nicht in Lila, es gibt keine Gleichberechtigung. Dafür aber Revanchismus: Nach einer extrem langen Phase männlicher Souveränität befinden sich momentan die Frauen im Recht – glauben diese zumindestens.

Die interessantere Frage lautet, was passieren wird, wenn sämtliche anhand von Geschlechtsmerkmalen als männlich identifizierbaren Menschen der westlichen Welt als besiegt gelten dürfen, da sie entweder unter dem Laserstrahl ihr Zahnfleisch optimieren lassen oder ihre Rituale klammheimlich in Reservaten abhalten. Wird es dann eine originär weibliche Kultur zu besichtigen geben – oder laufen dann draußen nur lauter Nadelstreifenträger mit Brüsten herum? Und holen – im Namen der Gleichberechtigung – einfach nur nach, was ihren Geschlechtsgenossinnen in den letzten tausend Jahren angeblich  vorenthalten wurde.

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Rettet das starke Geschlecht

Jungen werden zu Mädchen erzogen, Väter entrechtet: Die Welt liebt die Männer nicht. Schuld ist der radikale Feminismus.

Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sind verschieden. Je genauer die biologischen Unterschiede der Geschlechter erforscht werden, desto eifriger scheinen indes radikale Feministinnen darauf erpicht, sich als Sozialingenieure zu profilieren. Jungen sind wild, Jungen sind unkonzentriert, Jungen toben lieber herum, statt gemütlich in der Ecke zu sitzen, Jungen lernen später sprechen und lesen weniger – alles kein Problem. Wir müssen sie nur erziehen, so zu sein wie Mädchen. Dann werden die Lehrerinnen sie auch so nett behandeln wie Mädchen. Die Feminisierung des Spiel- und Klassenzimmers schlägt sich früh auch in der Literaturauswahl nieder. Die Jungen sollen sich ihren Gefühlen nähern. Igitt! – denken die sich und verweigern.

Sind die ungezähmten Buben dann etwas älter und werden in der Pubertät mit Testosteron überschwemmt, schlägt ihnen Unbehagen entgegen, als seien sie alle auf Beutezug. Auf dem Campus soll gar jeder vierte von ihnen ein Vergewaltiger sein, weil er sich vor dem Beischlaf die Zustimmung der Mitschläferin nicht schriftlich geben ließ. Jungen sind eben gewalttätig, Männer sind es sowieso. Und daraus folgt: Wer braucht Männer?

Bücher mit diesem Titel, Bestseller gar, gibt es längst. Dass Väter unnötig sind, erfahren wir trotz anderslautender Forschung aus dem Munde alleinerziehender Frauen zuhauf. Die Gesellschaft ist voreingenommen gegen Männer. Was auch immer sie tun, sie können es nicht recht machen. Die Welt, zumindest die westliche, mag fairer für die Frauen geworden sein, für die Männer ist sie unfairer geworden. Das bekommen vor allem die jüngsten und jungen Männer zu spüren, so als seien sie verantwortlich für Jahrtausende männlicher Vorherrschaft. “Das männliche Geschlecht als Gruppe – nicht einzelne Männer – ist schlecht und böse, einfach weil sie die falsche DNA haben”, schreibt die amerikanische Journalistin Kathleen Parker.

Die Welt ist männerfeindlich geworden, voller Verachtung für Männlichkeit. Zynisch urteilt sie die kleinen Unterschiede ab, die Männer einst unwiderstehlich machten. Das Fernsehen zeigt Männergestalten, die selten oder gar nicht als weise, ritterlich und stark gezeichnet werden. In sogenannten Familienserien werden Männer bestenfalls als leicht verblödete, ungeschickte Toren vorgeführt, die ohne ihre patenten Frauen absolut verloren wären und selbst von ihren Kindern nicht ganz ernst genommen werden. Homer Simpson von den Simpsons ist so ein Exemplar. In Filmen und Musik werden Männer als Idioten, Frauenprügler, Vergewaltiger, Brutalos oder Väter, die sich aus dem Staub machen, gezeigt. Der nette, zuverlässige und intelligente Mann, dem seine Familie heilig ist und der auch noch die Nachbarkinder für sich einnimmt, ist, so will es scheinen, eine aussterbende Spezies.

Und in dieser männerfeindlichen Grundstimmung kam ausgerechnet eine Frau auf die Idee, eine Lanze für die Männer zu brechen. “Save the Males – Why Men Matter, Why Women Should Care” (Rettet die Männer – Warum Männer wichtig sind, warum es Frauen angeht) nannte Kathleen Parker ein Pamphlet, das sehr flott geschrieben ist und mit der Dämonisierung der Männer durch Extremfeminismus ins Gericht geht. Die Männer retten? Sie regieren die Welt, leiten Banken und Drogenkartelle. “Zur Hölle mit ihnen, sie sind an allem schuld”, ist die zumeist weibliche Reaktion auf Parkers Vorschlag. “Sag einer Frau, wir müssen die Männer retten, und sie wird dir den Namen ihres Therapeuten geben”, mokiert sie sich. Die Kolumnistin der “Washington Post”, Tochter eines alleinerziehenden Vaters – die Mutter starb, als Kathleen Parker drei Jahre alt war – und Mutter dreier Söhne hat, derart mit männlichem Blick gerüstet, anders als die feministischen Schwestern erkannt, dass Männer auch Menschen sind. Ihr geht es nicht um einen Rückschritt in die fünfziger Jahre, ihr geht es um Gerechtigkeit für Männer als Männer, Beschützer, Verdiener, Väter: Rollen, die zunehmend als altmodisch, der patriarchalischen Zeit zugehörig empfunden werden.

Besonders als Väter werden Männer in einer Weise marginalisiert, ausgegrenzt und entrechtet, dass im Netz schon der männliche Ratschlag kursiert, dass jeder junge Mann, der seinen Verstand beisammen hat, sich lieber auf der Stelle einer Vasektomie unterziehen sollte, statt das Risiko der Vaterschaft einzugehen. Die Frauen halten juristisch alle Trümpfe in der Hand. Werden sie schwanger, können sie abtreiben, selbst den Ehemann müssen sie dafür nicht um Einverständnis bitten, den One-Night-Stand oder Live-in Boyfriend schon gar nicht. Brechen sie die Schwangerschaft nicht ab, dann behalten sie das Kind, und der Mann bekommt die Rechnung, es sei denn, er ist der Ehemann, dann darf er an dem Kind auch teilhaben, solange er verheiratet bleibt. Gewiss sollte ein Mann seinen Nachwuchs finanziell unterstützen, aber sollte nicht auch er gefragt werden, ob das Kind abgetrieben werden oder leben soll?

Es sind diese Fragen, die Parker, eine emanzipierte, beruflich erfolgreiche Frau, zur Ikone so vieler Männer gemacht hat. Sie nimmt sich der Vaterlosigkeit an und beschreibt so witzig wie ernsthaft, warum Kinder Väter brauchen und wollen. Sie hat als Mutter von Pfadfindern selbst erlebt, wie eine Bude voller kleiner Buben sich verwandelte, nachdem sie endlich einen Vater für die Nachmittage organisieren konnte. “Er musste nicht viel machen, nur da sein und Testosteron verströmen. Unsere Jungens waren Wachs in seinen Händen . . .”

Parker hat viele Kinder interviewt, deren Mütter sich selbstherrlich oder verzweifelt für das Reagenzglas als Vater entschieden haben. Auch die glücklicheren unter ihnen sind ein Leben lang auf der Suche nach dem Vater: “Es ist absolut notwendig, dass ich herausfinde, wer er ist, um eine normale Existenz als Mensch führen zu können”, zitiert sie einen jungen Mann. Die englische Entwicklungspsychologin Penelope Leach formulierte pragmatisch: “Wir stammen von zwei Menschen ab, und wir wollen wissen, wer die beiden sind. Wenn ich Tee mit Zucker und Milch will, ist es eben nicht dasselbe, wenn ich ihn ohne Milch, aber mit zwei Stücken Zucker bekomme.”

Viele Frauen können Kinder allein großziehen, “sie tun es und werden es immer tun, sei es aus Not, aus einer Tragödie heraus oder aus anderen Gründen. Aber daraus ergibt sich logischerweise kaum, dass Kinder Väter nicht brauchen. Der Umstand, dass manche Kinder ohne Vater zurechtkommen, ist so wenig eine Empfehlung für die Einzelelternschaft, wie das Fahren mit einem platten Reifen ein Argument für ein dreirädriges Auto ist”, so Parker. Und sie fügt hinzu: “Indem man die alleinerziehende Mutterschaft von den unglücklichen Konsequenzen mangelnder Umsicht zu einem stolzen Akt von Selbsterfüllung überhöht hat, hat man dazu beigetragen, eine Welt zu gestalten, in der Väter nicht nur rar, sondern auch überflüssig sind.”

Es geschieht selten, dass eine Mutter in eine ausgeräumte Wohnung kommt und ein Zettel ihr den Abgang des Vaters mit den Kindern mitteilt. Männern passiert das recht häufig. Die Mutter ist mit den Kindern auf und davon – zur Mutter, zur Schwester, zum Freund. Die Konsequenzen trägt der Vater, nicht nur, weil er zahlen muss, sondern weil er fortan nur noch eingeschränkte Besuchsrechte mit seinen Kindern genießt. Zieht sie mit den Kindern in eine andere Stadt, kann er dagegen nichts tun. “Wenn Richter Frauen antäten, was sie routinemäßig Männern antun, sie ihrer Kinder, ihres Heims, ihrer Rolle, ihres Besitzes zu berauben, und sie auch noch zwängen, alles mit dem Ex zu teilen, solche Richter würden von einem Mob wildgewordener Frauen in der Luft zerrissen”, bloggte ein verzweifelter Vater im Netz.

Parker macht den radikalen Feminismus als Hauptschuldigen für die Marginalisierung der Männer aus. Diese Feministinnen glauben entgegen der Forschungslage, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich seien und dass die Unterschiede nur durch falsche Erziehung entstünden. “Es ist nicht zu fassen, dass wir das immer noch diskutieren”, stöhnt die Autorin, “jeder, der nur eine Stunde auf dem Spielplatz verbringt, weiß, dass ein großer Unterschied zwischen männlich und weiblich besteht.” Freilich finden wir die Unterschiede nur gut, wenn sie den Mädchen nützen. So wurden auf Schulhöfen die Räume zu Lasten der Ball spielenden Jungen verkleinert, doch die Mädchen brauchten für ihre Springseile oder Plauderecken den Platz gar nicht.

Parker glaubt eher, dass Frauen, Kinder und Gesellschaft profitieren, wenn Männer Männer sein dürfen, die altmodische Tugenden wie Ehre und Mut zeigen und Verantwortung übernehmen. Der neueste Held Amerikas, der Pilot Chesley B. Sullenberger, ist so ein Exemplar. Worum geht es der Männerretterin? “Um die Einsicht, dass Männer keine Frauen und Jungen keine Mädchen sind. Sie sind verschieden, und ihre Verschiedenheiten machen sie wünschenswert füreinander.” Der feminisierte Mann, der stolz die Schürze trägt, dem das Soufflee gelingt und der Manolos von Louboutins unterscheiden kann, das ist auch der Mann, der “Origins Save the Males Multibenefit Moisturizer”, eine Lotion nur für Männer, kauft. Dieser Mann ist vermutlich nicht mehr zu retten. Aber ob die Frauen den Feministinnen diese Ausgeburt ihres Gleichheitswahns verzeihen, steht auf einem anderen Blatt.

Buchtitel: Save the Males – Why Men Matter, Why Women Should Care

Buchautor: Parker, Kathleen

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