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Artikel-Schlagworte: „Gulag“

Buchbesprechung – „Die Muse im Gulag“

Volksbewußten Menschen war es immer klar, daß Siegerhaß, der in gewissen Gruppen bis heute weiterlebt, ein Zerrbild des NS-Staates und besonders der deutschen Wehrmacht verbreitete und für den Unterricht an deutschen Schulen zwingend vorschrieb. Durch die flächendeckende und pausenlose Falschbeeinflussung wurde aber weitgehend verhindert, daß einem größeren Kreise das Wirken der aufrechten Vertreter der Wehrmacht bekannt wurde. Als Beispiele seien angeführt: Oberst der Luftwaffe – Hajo Herrmann, der erfolgreichste Jagdflieger aller Zeiten – Major Erich Hartmann, der Verteidiger von Königsberg – General Otto Lasch.

Aber es waren nicht nur Offiziere von hohem militärischen Rang, sondern auch Soldaten wie z.B. der Schirrmeister Karlhans Mayer, genannt Hein Mayer, die sich zu Wort meldeten. Dessen Buch „Die Muse im Gulag” soll hier kurz vorgestellt werden.

Mayer schildert in diesem Buch, in dem er sich selbst den „Optimisten” nennt, wie die Zuversicht und die Kunst, Schwerstes zu ertragen halfen.

Der Rückblick in die Vergangenheit darf ein verklärender sein, wenn die Verklärung nicht dazu führt, wichtige Erkenntnis über körperliche wie seelische Gefährdungen in einem verbrecherischen System zu vergessen. Wie man dem Buch über das Leben und Überleben in den schlimmsten Straflagern entnehmen kann, wird aber nicht nur in verklärender Form berichtet, sondern gezeigt, wie in den Lagerinsassen – besonders dank eines Optimisten – die innere Widerstandskraft mit Hilfe künstlerischer Betätigung oder auch nur des Kunstgenusses erheblich gestärkt wurde. Diese Stärkung trat ein, obwohl die Musiker, Schauspieler und Theatertechniker neben ihrer Fronarbeit auch für die „Muse” erheblichen Zeit- und Kraftaufwand erbringen mußten. Nur wenn die Ausbeutung der Kraft zeitweise durch zu hohe Normen bis zu völliger Erschöpfung gesteigert wurde, dann mußte die Muse ruhen. Im Vorwort weist Hein Mayer auf den ungeheuren Ernst der Zeit hin, den man über weite Strecken des Buches vergessen könnte. Denn ein Optimist hat in der Notzeit und bei einer späteren Schilderung die Gabe, die erträglichen Seiten des Lagerlebens in einem gewinnenden Licht erscheinen zu lassen. So ist der Leser oft erschüttert, wenn dann und wann Ereignisse aus der harten und grausamen Wirklichkeit eingestreut werden müssen. Hier kann man an das Schiller-Wort denken:

„Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und würd’ er in Ketten geboren.”

Die letzte freie Entscheidung, ob er unter Tyrannenmacht seelisch zerbrechen will oder ob er dem Verbrechen hohe kulturelle Werte entgegensetzen kann und damit Seelenkraft gewinnt, ist jedem Menschen gegeben! Erwähnt wird in dem Buch außerdem, daß die Not auch auf religiösem Gebiet feinfühlig macht und dadurch in den Religionen Schwächen entdeckt werden, die Strenggläubige und erst recht von Missionseifer Besessene gar nicht erkennen. So wird von einer Auseinandersetzung über das vierte Gebot berichtet. Dieses lautet ja im Alten Testament: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.” Vielfach wird auch zitiert „… daß es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden.” Der erste Teil war für den Optimisten eine Selbstverständlichkeit, aber die nachfolgende Lohnverheißung hatte für ihn nichts mit göttlicher Weisheit zu tun.

Noch ein weiterer Gedanke kommt dem aufmerksamen Leser bei diesem Buch: Wie würde es der heutigen deutschen Jugend ergehen, wenn sie in solche Lage käme? Von deutscher Kultur ist sie weitgehend abgeschnitten, wird hauptsächlich von Menschen belehrt, die Sitte und Anstand sowie rechtliches Denken und echten Freiheitswillen hinterfragen. Die jungen Menschen werden bekanntgemacht mit der inneren Leere und Hilflosigkeit von Menschen, die am Leben scheiterten. Dieser Jugend würde die „Kraft der Muse” fehlen, um solches Schicksal ungebrochen, wenn überhaupt, zu überstehen.

Hein Mayer gelang nicht nur das, sondern er konnte in der Strafgefangenschaft Mithäftlinge aufrichten, und er war überlegen genug, um Kameraden von unsinnigem Widerstand abzuhalten, mit dem den Wachposten zwar persönlicher Ärger bereitet worden wäre, der aber dem „Täter” das Leben kosten konnte. Nicht Rache als Auswirkung berechtigten Zorns sollte geübt werden, sondern ehrenhafter Widerstand. Der war bereits gefährlich genug. Später trug Hein Mayer durch sein Buch und seine Großzügigkeit zu einer Versöhnung zwischen den Völkern bei. Sein Haß traf und trifft das unmenschliche Unrechtssystem und natürlich die echten Menschenschinder, aber er erkennt die Zwangslage vieler Aufseher in einem solchen System, die auch unter dauerndem Druck der Polit-Offiziere stehen, und er reicht russischen Veteranen die Hand.

Das ist kein verfehlter Versuch, Frieden und ein wenig Anerkennung durch nationalmasochistische Selbstverleugnung zu erhalten, wie wir ihn von Regierungsseite und von sonstigen offiziellen oder halboffiziellen Institutionen, allen voran von den Medien erleben. Hier wird ein wirklicher Weg zur Völkerversöhnung gewiesen.

Das lesenswerte Buch, ISBN 3-8334-4686-2, hat 240 Seiten und kostet 16,80 €

Zu beziehen ist es durch die Versandbuchhandlung Gisela Stiller, Kreutzfeld 5, 24816 Stafstedt, Ruf. 04875-349, Fax 04875-676, e-mail: Gisela_Stiller@web.de Elke und Gundolf Fuchs

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